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Die Ollersdorfer Kirche
Ollersdorf dürfte zwischen 1042 und 1062 gegründet worden sein. Damals war Leonhard in Bayern ein Modeheiliger für die Viehwirtschaft, und die daher vermutlich bayrischen Siedler haben ihm auf dem Anger des neuen Dorfes wohl eine Kapelle errichtet - etwa dort, wo heute das Feuerwehrhaus ist. Sitz der Pfarre war Stillfried, die zuständige Diözese Passau. Ab etwa 1200 wurde Ollersdorf als Filialkirche der Pfarre Ebenthal geführt, ab 1429 war Ollersdorf über 100 Jahre eine selbständige Pfarre. Anstelle der ersten Kapelle muss es eine richtige Kirche gegeben haben, mit einem Turm, einem großen Schindeldach und einer Orgel. Zwischen 1400 und 1700 wird sie durch Kriege mehrmals beschädigt worden sein, ganz sicher im Jahr 1646 im Zuge des 30jährigen Krieges.
Damals war der Grundherr verpflichtet dafür zu sorgen, dass seine Untertanen eine Kirche hatten. Der zuständige Besitzer für Ollersdorf war das Kloster Mauerbach, das selbst kein Geld hatte. Es dauerte daher bis zum Jahr 1742, bis mit dem Bau der neuen Kirche begonnen werden konnte, und der Neubau dauerte 14 Jahre. Über dem Tor der Kirche ist das Wappen des Klosters Mauerbach bis heute zu sehen. Den Baugrund am damaligen Ortsrand stellte übrigens die Angerner Herrschaft als Beitrag für ihre Untertanen zur Verfügung.
Der Hochaltar wird gekrönt von der Dreifaltigkeitsgruppe, die uns gleichsam den Blick in den Himmel öffnet. Rechts Gottvater mit der Weltkugel, links der Gottessohn mit dem Kreuz, und in der Mitte im Rundfenster der Hl. Geist.
Die Mitte des Hochaltares nimmt die Statue des Kirchenpatrones Leonhard (in Kleidung eines Abtes) ein. Er lebte im 6. Jahrhundert als Einsiedler in Frankreich. Er bekam für gute Taten ein großes Grundstück geschenkt, das damit als Klostergrund galt. Leonhard nutzte das anscheinend um einigen Gefangenen Kirchenasyl zu gewähren. Daher wurde er bald als Patron der Gefangenen verehrt, und mit Ketten dargestellt. Die Landwirte kannten Ketten damals allerdings hauptsächlich zum Anhängen für ihr Vieh, und verehrten Leonhard irrtümlich als Viehpatron. Dieser Kult verbreitete sich stark im süddeutschen und österreichischen Raum, und auch Ollersdorf war über lange Zeit Wallfahrtsort für Landwirte von nah und fern.
Unter dem Bild des hl. Leonhard stehen vier große Statuen: Erster von links der hl. Florian, ein römischer Beamter, der um 300 wegen seiner Glaubenstreue in der Enns ertränkt wurde. Er wurde deshalb immer mit einem Behälter voll Wasser dargestellt, weshalb ihn die einfachen Leute für einen Feuerwehrmann hielten. Wegen der strohgedeckten Holzhäuser in früherer Zeit gab es oft Gelegenheit den heiligen Florian als Schutzpatron gegen Feuersgefahr anzurufen.
Nur etwa 50 Jahre jünger als Florian war der neben ihm stehende Bischof und Kirchenlehrer Ambrosius. Wegen ihrer gut organisierten Futtersuche verwendete man früher Bienen als Sinnbild der Gelehrigkeit, und stellte Kirchenlehrer daher mit Buch und Bienenstock dar. Die Obstbauern mit ihren Bienenvölkern verstanden das anders, und beteten zu Ambrosius als Patron der Imker.
Rechts außen steht die Statue des heiligen Donatus. Er lebte in der Zeit zwischen Florian und Ambrosius, und erlitt den Märtyrertod durch das Schwert. Durch die Abbildungen mit dem Schwert in der Hand hielten ihn viele Menschen für den himmlischen Blitzeschleuderer. So beteten die Bauern zu ihm in ihrer Sorge vor der Zerstörung ihrer Feldfrucht durch Blitz, Hagel und Ungewitter.
Neben ihm steht der heilige Anthelmus. Er ist der einzige Heilige, dessen Statue nicht durch ein Missverständnis auf unserem Hochaltar steht. Er steht dort, weil er Karthäuserabt war, und daher das Kloster Mauerbach als Karthäuserkloster ihn dort wünschte, wenn es schon den Kirchenbau zahlen musste.
An der Kanzel finden wir ebenfalls die Dreifaltigkeit dargestellt, ganz oben Gottvater, Christus als Sämann an der Tür, und am Deckel der Hl. Geist. An der Kanzelbrüstung die vier Evangelisten Lukas, Johannes, Matthäus und Markus. Gegenüber an der rechten Seite befindet sich die Statue der Gottesmutter Maria.
Am linken Seitenaltar ist die hl. Familie dargestellt. In der Mitte der Jesusknabe, rechts Maria, links der hl. Josef. An den beiden Außenseiten die Eltern Mariens Joachim und Anna.
Die Statue in der Mitte des rechten Seitenaltares ist die hl. Notburga; sie war Dienstmagd in Tirol im 14. Jahrhundert. An den Außenseiten zwei Kartäuseräbte, wobei der linke der Ordensgründer, der hl. Bruno, ist.
An den Seitenwänden befinden sich nochmals die Statuen der vier Evangelisten: Links vorne der hl. Markus, rechts vorne der hl. Johannes, links hinten der hl. Matthäus, und rechts hinten der hl. Lukas. Die großen Statuen hinten stellen den hl. Josef und den hl. Nepomuk dar.